Machen und Lachen im Druckerviertel

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Am vergangenen Wochenende war es dann endlich soweit. Nach vielen Wochen der Vorbereitung öffnete die Druckerbande am 08. Und 9. Oktober erstmalig ihre Türen für Besucher:innen. Anlässlich der Eröffnung wurde ein Kultur-Wochenende im Druckerviertel am Möncheplatz 1 organisiert.

Den musikalischen Auftakt inmitten der alten Druckmaschinen präsentieren am Freitagabend das Konzert- und Kulturhaus TangoBrücke gemeinsam mit der Druckerei Heimert Elements. Die Kölner Jazzformation Soulcrane füllte die offene Druckwerkstatt, die von der Straße her in blaues Licht getaucht wurde, mit tiefgründigen Jazzklängen.

Am Samstag zog eine Gruppe Handwerker des graphischen Gewerbes mit ihrer Arbeit viele junge und alte Besucher:innen in ihren Bann. Mit der Naturwerkstatt Fredelsloh konnten die Besucher:innen selbst handgeschöpftes Papier produzieren. Pulp (Zellstoff) aus alten Zeitungen und Wasser, gewalkt mit einer alten Wäschemangel wurden im Nu zu bunten neuen Papierbögen, die von den spontanen Papiermachern wie T-Shirts zum Trocknen auf die bereitgestellten Wäscheständer gehängt wurden. Die Buchbinderin Renate-Katrin Zimmermann von der Unikate Buchwerkstatt aus Göttingen sorgte zusammen mit dem Auszubildenden Tim an ihrem Stand für Begeisterung bei Jung und Alt. „Ich wollte schon immer wissen wie ein Buch gemacht wird“, freut sich die vierjährige Carlotta. Kinder hatten die Möglichkeit, ihre eigenen kleinen Bücher herzustellen. Bevor sie die fertigen Exemplare in den Händen halten und stolz präsentieren konnten, wurde der Buchumschlag an der Prägestation mit ihren Namen versehen.  Die Buchbindermeisterin war vom belebten Tag und dem interessierten Einbecker Publikum fasziniert und möchte bei ihrem nächsten Besuch Workshops in dem Quartier der Druckerbande anbieten.

Klonk, klonk, klick ertönte es fortwährend, wenn Formstecher Wilfried Hentschel mit seinem Werkzeug die Messingbänder in die vorgezeichnete Bebilderung auf dem Trägerholz schlug. Dutzende Interessierte blieben stehen und konnten die Arbeit des Formstechers live erleben. Das Formstechen ist als Handwerk heutzutage beinahe ausgestorben. Ohne dieses Handwerk waren beispielsweise Muster auf Tapetenbahnen bis Mitte der 70er Jahre undenkbar und auch die Blaudruckmodelle wurden von den alten Formstechermeistern hergestellt. Mitmachen aber auch intensives Netzwerken war Programm am Wochenende. Zahlreiche Besucher:innen outeten sich als Drucker, Setzer und Buchbinder. „Expertise ist immer noch da!“ freut sich Mitinitiatorin Patricia M. Keil. Die Druckerbande ist gespannt auf weitere ehrenamtliche Mitstreiter auch von der handwerklichen Seite. Eine nachhaltige und spannende Hochdrucktechnik hat die Einbecker Graphikerin Rabea Richter mit dem Tetrapak-Druck präsentiert. Vielfältige Motive, Ornamente, Bilder und der ein oder andere verdrehte Buchstabe wurden in Tetra Paks (aufgeschnittene Milchtüten) mit Bleistift graviert, schraffiert und ausgeschnitten. Die so entstandenen Klischees (Druckformen) konnten dann mit der Andruckpresse von den Besuchern aufs Papier gedruckt werden. 

Barbara Brübach alias FETTETYPEN aus Hann. Münden hat als Mitinitiatorin von Beginn an viel Engagement und Tatkraft in die Entwicklung der Druckerbande investiert. Sie druckt und setzt seit 2015 auf den technischen Stand um 1960, mit beweglichen Lettern aus Holz und Blei a la Gutenberg und erklärte den interessierten Zuschauer:innen unermüdlich die alten Maschinen und Werkzeuge. Auf der Korrex Baujahr 1963 fertigte sie mit und für die Besucher:innen amüsante Typografie-Kunstwerke. Sie ist auch die Namensgeberin für die „Druckerbande“.

„Blau machen“ konnte man mit Patricia Keil am Experimentierstand vom Einbecker Blaudruck direkt vor der Tür der Druckerbande. Durch aktives Färben erlebten die Besucher:innen die faszinierende Verwandlung der mit Indigo gefärbten weißen Stoffe von Grün zu Blau. Dies ist eine Farbverwandlung, die durch die Reaktion mit Sauerstoff entsteht. Nach alter japanischer Shibori Technik konnten die Teilnehmer:innen durch Wickeln und Klammern wunderschöne Motive auf den Stoff bringen.

Am Samstag stand ab 17 Uhr zum Abschluss eine spannende Podiumsdiskussion zum Thema „Quartiers- und Stadtteilentwicklung inspiriert und initiiert durch aktive lokale Kulturschaffende“ auf dem Programm. In der fachlich gut aufgestellten Runde waren Alexander Kloss (parteiloses Einbecker Ratsmitglied), Dr. Dorothee Hemme (Kulturwissenschaftlerin), Sebastian Becker (Innovationbeauftragter der Volksbank Einbeck/ Seesen), Ulf Ahrens (Einbecker Blaudruck), Barbara Brübach (Buchdruckkünstlerin / FETTETYPEN) und Patricia Keil (freie Kulturschaffende und Künstlerin) vertreten. Krankheitsbedingt nicht mit dabei sein konnte der Entwickler des Druckerviertels Volker Stix vom Büro ZeitRaumGestaltung. Moderiert wurde die Runde durch den freien Kulturschaffenden Martin Keil. Auch aus dem Publikum konnten viele wertvolle Wortbeiträge gesammelt werden. Alle Beiträge sind unter www.druckerviertel.de in strukturierter Form nachzulesen. 

Alte Drucktechniken sind zweifellos eine faszinierende Sache und nicht ohne Grund ist die Druckkunst mit ihren vielfältigen Techniken von der deutschen UNESCO-Kommission 2018 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Welch immense Bedeutung es hat, dass ein solches Kulturerbe und die damit verbundenen Traditionen von Menschen vor Ort lebendig gehalten werden, betonte am Eventwochenende der Druckerbande die Kulturwissenschaftlerin Dr. Dorothe Hemme. Sie ist sehr begeistert von dem riesigen Engagement der Druckerbande und die große Resonanz der Besucher. Die Druckerbande besteht aus Einbecker Kulturschaffenden, Freunden:innen und Bürgern:innen sowie Künstlern:innen und Handwerkern:innen aus Südniedersachen.

An dem Ort, an dem einst das „Einbecker Tageblatt“ als erste Einbecker Tageszeitung verlegt und gedruckt wurde, ist mit viel ehrenamtlichen Engagement eine offene Druckwerkstatt entstanden, die das Stadtquartier belebt und mit Schwung in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist. Die Druckerbande präsentiert sich der Öffentlichkeit als offene historische Druckwerkstatt, die ausdrücklich zum Mitmachen einlädt. Die seit Jahrhunderten bewegende Druckkultur konnte und kann genau dort entdeckt werden, wo sie in Einbeck einst Geschichte geschrieben hat. Mit der "SesamPresse" bracht die Druckerbande eine gut ausgestattete Druckwerkstatt aus Lohfelden bei Kassel zu großen Teilen nach Einbeck. Zusammen mit dem noch im großen Umfang vorhandenen Sortiment an Typen der J. Schroedter’s Buchdruckerei wurde so eine funktionsfähige offenen Werkstatt geschaffen, in der nun jeder in das Handwerk der „Schwarzen Kunst“ eintauchen kann. Die Druckkunst hat damit in Einbeck ein sicht- und erlebbares Zuhause gefunden und die Einbecker:innen können sich auf ein Workshop- und Veranstaltungsprogramm freuen.

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