„Pünktlich um immer!“ / Kaiserring-Stipendiat Alexander Iskin in der KWS Art Lounge NEWCOMER

In welchem Verhältnis bestimmen virtuelle und physische Realität aktuell unser Leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Künstler Alexander Iskin schon seit Jahren, hat für die hybriden Formen des Alltags den Begriff der Inter-Realität gefunden und ihn in die Kunst als Interrealismus eingeführt.

In der Ausstellung „Pünktlich um immer!“ in der KWS Art Lounge NEWCOMER in der Tiedexer Straße in Einbeck stellt Alexander Iskin neben einer farbintensiven Auswahl seines malerischen Werkes auch seine neuesten „interrealistischen Formen“ vor. Die Ausstellung ist auch online unter www.kws.de/kunst zu sehen. 

Alexander Iskin ist der sechste Kaiserring-Stipendiat, der in der KWS Art Lounge NEWCOMER ausstellt. Ursprünglich sollten bereits im November seine Werke zu sehen sein, nun ist „Pünktlich um immer!“ im April. Das Goslarer Kaiserring-Stipendium wird seit 1984 vom Verein zur Förderung Moderner Kunst verliehen und seit 2014 von der AKB Stiftung in Einbeck gefördert.

„Ich fühle mich privilegiert, in der KWS Art Lounge in Einbeck auszustellen“, sagt der 30-Jährige. Obwohl die Digitalität für ihn eine sehr große Inspirationsquelle sei, vermisse er volle Konzertsäle, Theater, Galerien und Museen. Mit seinen in Einbeck ausgestellten Werken lädt Alexander Iskin zu einem Spaziergang in seine Gedankenwelt ein. „So sehr ihn Zukunftsfragen beschäftigen und er durch die Auseinandersetzung mit Futurologen, Philosophen und KI-Forschern zahlreiche Anregungen für seine Arbeit erhält, so sehr ist er doch dem traditionellen Medium der Malerei verhaftet“, sagt Dr. Bettina Ruhrberg, Direktorin des Mönchehaus Museums Goslar. „Die Malerei ist auch der Ursprung für mich, also die Art und Weise des Ausdrucks, wo ich am klarsten denken kann“, begründet Alexander Iskin.

Alexander Iskin arbeitet malerisch, skulptural, performativ, literarisch und filmisch an einer multimedialen Narration. In der Ausstellung zu sehen sind unter anderem der nostalgische Geist eines futuristischen Kakadus in dem Gemälde „Coca, too“. Oder die heißgeliebte, kaffeesüchtige und kunstkritische „Professorin Kaffeemaschine“: Diese fährt herum, um die Kunstwerke zu betrachten und erste künstlerische Bewertungen abzugeben in Form eines Bons, der vom Besucher gezogen und „gelesen“ werden kann. Der mit Algorithmen gespickte Roboter funktioniert spielerisch als Kunstvermittler, spendiert zum Abschluss den Kunstinteressierten auch noch einen heißen Kaffee.

Alexander Iskin, geboren 1990 in Moskau, ist in Goslar aufgewachsen. Bereits als Kind besucht er regelmäßig die Ausstellungen des Mönchehaus Museums dort und findet über Umwege in die Kunst, was auch ein wenig dieser Verbindung zum Goslarer Mönchehaus geschuldet ist. Seit 2006 arbeitet Alexander Iskin künstlerisch. Die bekannten Berliner Künstler Jonathan Meese und Herbert Volkmann wurden seine Mentoren und unterstützten seine künstlerische Entwicklung. 2017 rief Alexander Iskin eine neue Kunstrichtung aus, den Interrealismus, eine wechselseitige Beziehung zwischen der virtuellen und der physischen Wirklichkeit. 2020 erhielt Alexander Iskin das Kaiserring-Stipendium und eröffnete seine Ausstellung im Mönchehaus Museum mit einem besonderen Projekt: Für sechs Wochen verlegte er sein Atelier samt Schlafstätte in die Galerie Sexauer in Berlin, um dort – isoliert von der Öffentlichkeit – zu arbeiten. Besuche waren nur per Anmeldung unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Die Entstehung der Arbeiten war im Internet zu sehen. Der Künstler hatte damit unbewusst eine Vorahnung auf die bevorstehende Zeit: am Ende seiner Performance war tatsächlich Kontaktverbot verordnet, die Corona-Pandemie ausgebrochen.

Zur Ausstellung wird eine Broschüre erscheinen, die später vorgestellt wird. An diesem Katalog mit Auszügen aus beiden Ausstellungen in Goslar (Mönchehaus) und Einbeck (NEWCOMER) werden mehrere Autoren mitwirken.

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